Wie geht es weiter mit Europa? Zu dieser Fragestellung, hatte der Kreisvorsitzende Hans-Dieter Teske den Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments und Präsidenten der Europa-Union Deutschland, Rainer Wieland MdEP, nach Bad Liebenzell eingeladen. 

Viele Mitbürgerinnen und Mitbürger würden wegen des bevorstehenden Austritts Großbritanniens aus der EU und der unnachgiebigen Haltung der Visegrad-Staaten in der Flüchtlingsfrage sowie auch wegen des deutlichen Zulauf zu rechts-populistischen Bewegungen besorgt in die Zukunft schauen. Die Gretchen-Frage, so Teske, sei daher, ob die Europäische Union angesichts der politischen Zugeständnisse und der Konstruktionsmängel in den Verträgen von Maastricht und Lissabon zukunftsfähig ist und die großen Probleme, die durch das wirtschaftliche Nord-Süd-Gefälle noch verstärkt werden, lösen kann. 

„Die Lage in Europa ist in der Tat nicht so, dass man sich keine Sorgen machen muss“, eröffnete der aus Straßburg angereiste Europa-Politiker seinen Vortrag. Doch in der Vergangenheit hätte sich gezeigt, dass es mit Europa immer dann, wenn Krisen bewältigt werden mussten, wieder einen Schritt nach vorn gegangen sei. Die pauschale Kritik an der EU ließ Wieland nicht gelten. Versagt hätten einzelne Mitgliedsstaaten. Auch in Deutschland seien Fehler gemacht worden. 

In der Flüchtlingsfrage sei lange gewartet und weggeschaut worden. Wichtig seien ein Einwanderungsgesetz mit Anreizen zur Registrierung und klaren Regelungen zur Integration und Abschiebung sowie Rückführungsabkommen und eine Aufstockung der Entwicklungshilfe. „Wir müssen trennen zwischen denen, die vor Krieg und Gewalt flüchten oder politisches Asyl suchen, und jenen, die nur hierher kommen, damit es ihnen besser geht“, betonte der EU-Politiker. 

Auch zum „Brexit“ und der Finanzkrise und den anderen brisanten Themen nahm Wieland klar und deutlich Stellung. Einerseits seien Verständnis und Geduld gefragt, andererseits müsse hart verhandelt und klare Position bezogen werden. „Wir haben schwierige Situationen, aber es gibt keine Veranlassung, aus Angst vor dem Tod jetzt schon Selbstmord zu begehen“, beendete der EU-Parlamentarier seinen Vortrag.