Experten des Landesverfassungsschutzes informieren über die muslimischen Extremisten

Angesichts des weltweiten islamistischen Terrors sowie der jüngsten Attentate in Europa und speziell auch in Deutschland hat der Kreisverband Calw Vertreter des Landesverfassungsschutzes zu einem Vortrag über den Islam und die muslimischen Subkulturen nach Bad Liebenzell eingeladen. Zu der hochaktuellen und informativen Veranstaltung konnte die stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes, Gertrud Gandenberger, zahlreiche interessierte und besorgte Bürgerinnen und Bürger begrüßen.

 

Nach den Erkenntnissen des Verfassungsschutzes sind von den rund 500.000 in Baden-Württemberg lebenden Muslimen etwa 3.500 der islamistischen Szene zuzuordnen.

Eine wichtige Information gaben die beiden Experten vorab: Islam ist nicht gleich Islam, und gläubige Muslime sind so wenig wie gläubige Christen per se Extremisten. Dennoch gibt es islamistische Gruppierungen in Deutschland, die eine Gefährdung für das demokratische, friedliche und weltoffene Miteinander darstellen.

Während Gruppierungen wie die heutige ägyptische Muslimbruderschaft und die deutsche „Islamische Gemeinschaft Millî Görüş e. V.“ (IGMG) zur Erreichung ihrer Ziele auf politische Mittel und religiöse Bildung setzen, würden Organisationen wie die palästinensische HAMAS und die libanesische „Hizb Allah“ in ihren Heimatländern Gewalt als mögliches Mittel zur Durchsetzung befürworten.

Eine besonders radikale Strömung seien die den Terrornetzwerken „Islamischer Staat“, „al-Qaida“, „Boko Haram“ und „Al-Schabab“ zugehörigen Jihadisten, die Gewalt als das primäre Mittel zur Durchsetzung ihrer vorrangig regionalen Ziele praktizieren. In letzter Konsequenz wollen sie islamische „Gottesstaaten" errichten.

In Deutschland sind vor allem zwei Strömungen zu unterscheiden: die politisch orientierten und die jihadistischen Salafisten. Der salafistischen Propagandatätigkeit wird hierbei der Schein eines authentischen Religionsverständnisses gegeben, die in Wahrheit jedoch eine systematische Indoktrinierung der salafistischen Weltsicht verfolgt und junge Menschen radikalisieren kann. Der sogenannte „IS“ rekrutiere seine Terrormiliz primär aus Tunesien und Saudi-Arabien, aber auch aus Deutschland hätten sich etwa 850 Personen den Jihadisten angeschlossen. Die meisten seien keine 30 Jahre alt und jeder Fünfte eine Frau. Um die 250 von ihnen seien inzwischen wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Derzeit gebe es bundesweit ungefähr 50 Ermittlungsverfahren zu gewaltorientierten Salafisten. Interessant ist sicher auch, dass salafistische Protagonisten wie Pierre Vogel durch Vertreter der jihadistischen Szene bedroht werden. Dies zeigt, dass es keine homogene und gemeinschaftlich agierende salafistische Szene in Deutschland und Europa gibt.

Sehr anschaulich und nachvollziehbar verdeutlichten die beiden Experten, mit welchen Mitteln die verschiedenen islamistischen Gruppierungen jungen, verunsicherten Menschen bei der Suche nach Orientierung, gesellschaftlicher Anerkennung und Sicherheit über ihre sogenannte Glaubensgemeinschaft eine neue Gemeinschaft anbieten, bei der sie wichtig sind und gebraucht werden.